Le Conquet – Ein altes Seeräubernest am Ende der Erde

Die salzige Luft ist erfüllt von den Rufen unzähliger Möwen. Sie alle haben sich im Hafen von Le Conquet versammelt, um den ein oder anderen Leckerbissen von den heimkehrenden Fischerbooten abzujagen. Am Hafen stehen Lieferwagen mit laufendem Motor, die Heckklappen geöffnet, damit der frische Fang möglichst schnell verladen werden kann. Jeden Tag wiederholt sich dieses Schauspiel, wenn die Fischer von Le Conquet von ihren Fanggründen heimkehren. Die Bäuche der bunten Boote gefüllt mit Krebsen und Fischen, die im Atlantik vor der bretonischen Küste leben. Nacheinander laufen die Fischer ein, begleitet von ganzen Schwärmen gieriger Möwen.

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Konk-Leon heißt die rund 2720 Einwohner zählende Stadt auf Bretonisch. Sie liegt ganz im Westen der Bretagne, im Departement Finistère, dem „Ende der Erde“. Früher war Le Conquet wohl ein altes Seeräubernest, und auch heute noch versprüht der Ort diesem Charme. Die schmalen Gassen der Altstadt am Hafen sind gesäumt von kleinen, bretonischen Granithäusern, die sich aneinander klammern, um den Stürmen vom Meer zu trotzen. Aufgestapelte, leuchtend blaue Hummer Fangkörbe vor einem Haus lassen erahnen, womit der Bewohner sein Geld verdient. Jeden Dienstag findet in der historischen Stadtmitte ein kleiner Markt statt. Ein Besuch lohnt sich, denn frischer wird man Fisch und Meeresfrüchte kaum ergattern können. Touristisch ist die Altstadt gut erschlossen, Restaurants und Crêperien reihen sich an Souvenirläden und Geschäfte, die lokale Produkte anbieten. Trotzdem hat sie nichts von ihrer Ursprünglichkeit einbüßen müssen. Mit etwas Fantasie kann man sich gut vorstellen, wie einst bärbeißige Seeräuber und vom Rum berauschte Piraten die Gassen Le Conquets unsicher gemacht haben.

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Einen wundervollen Blick auf Le Conquet und seinen Hafen hat man von der Halbinsel Kermorvan aus. Dort führt ein rund 1,5 Kilometer langer Weg direkt an der Küste entlang bis zum über 20 Meter hohen Phare de Kermorvan, dem am westlichsten gelegenen Leuchtturm des französischen Festlandes. Besichtigen kann man ihn leider nicht, aber ein beeindruckendes Fotomotiv bietet er allemal. Seit 1994 ist er automatisiert und wird von Brest aus ferngesteuert. Auf der naturgeschützten Kermorvan-Halbinsel befinden sich noch Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg, die wie steinerne Fortsätze an den schroffen Felsen kleben und vom militärischen Erbe des Ortes zeugen. Le Conquet und die dazugehörige Kermorvan-Halbinsel liegen direkt am Meerpark Iroise. Er ist der erste seiner Art in Frankreich und erstreckt sich zwischen der Île de Sein und der Île d’Ouessant. Im geschützten Meerpark Iroise mit seiner Fläche von 3500 Quadratkilometern befindet sich das größte Algenfeld Europas mit mehr als 300 registrierten Arten. Dort leben über 120 Fischarten sowie ein Viertel der französischen Population von Meeressäugern, wie Delfinen und Robben.

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Aber zurück zu den Fischern und ihrem lautstarken Gefolge, den kreischenden Möwen. Ist auch das letzte Schalentier sicher verladen und verstaut, kehrt langsam Ruhe im Hafen von Le Conquet ein. Die Boote liegen fest vertäut auf ihrem Platz und lassen sich von den Wellen in den Schlaf schaukeln. Die letzten Ausflugsschiffe von der Île d’Ouessant und der Île-Molène kehren zurück und mit ihnen die Reisenden, die vom Hafen Le Conquets aus zu einer dieser Inseln aufgebrochen waren. Auf der langen Mole am Ende des Hafens versuchen Angler ihr Glück, und irgendwann ist es soweit: die Sonne geht unter und taucht den Hafen und die bunten Fischerboote in ein goldenes Licht.

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Ein Sonnenuntergang in der Bretagne ist immer etwas Besonderes, so auch am Hafen von Konk-Leon. Wo vor einigen Stunden noch reges Treiben herrschte, senkt sich die Stille des Abends über die wunderschöne Hafenstadt am Ende der Erde, manchmal noch unterbrochen von dem einzelnen Schrei einer Möwe, die bereits sehnsüchtig auf die Rückkehr der Fischer am nächsten Tag wartet.

Mehr Infos zu Le Conquet findet man – auch in deutscher Sprache – auf der Internetseite www.tourismeleconquet.fr/page-en-allemand.

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